
Der
historische Hintergrund in Kürze
Der
Sinn und Zweck der Pyramid Society ist die reinblütige Erhaltung und
Förderung von ägyptischen Vollblutarabern, im englischen Sprachraum
bekannt unter der Bezeichnung "straight Egyptians". Diese Araber haben
einen geschichtlichen und züchterischen Hintergrund von ca. 1800 Jahren.
Die Pyramid Society sagt nicht, daß ägyptische Vollblutaraber besser
sind als andere. Sie ist jedoch der Meinung, daß sie auf beste, stark
selektierte Wüstenaraber zurückgehen und damit sehr wünschenswerte
Eigenschaften wie Vitalität, Stolz, Schönheit und Adel besitzen.
Die Pharaonen, König Salomo und der Prophet Mohammed erkannten die
große Bedeutung der genügsamen, leistungsfähigen, edlen, mittelgroßen
Pferde der Wüste des Nejd auf der arabischen Halbinsel. Die eigentliche
Basis für die heutigen "reinen Ägypter" bilden die Pferde, die nach
1811 durch die Regenten Mohammed Ali (1769 - 1848), Ibrahim Pasha
(1789 - 1848) und Abbas Pasha (1813 - 1854) nach Ägypten gebracht
oder von diesen drei Männern gezüchtet wurden. Sie gaben zum Teil
immense Summen für die allerbesten Pferde aus. Nach Mohammed Ali,
der mit seiner Kriegsbeute in seinem Gestüt in Shoubra bei Kairo weiterzüchtete,
war auch sein Nachfolger Ibrahim Pasha ein Liebhaber und Kenner der
edlen Pferde aus der Wüste. Unter seiner Anweisung wurde begonnen
die Abstammungen, deren Bedeutung und Geburten zu registrieren.

"Abbas
Pasha und sein Gefolge"
Gemälde von G.H. La Porte aus der Sammlung von Douglas B. Marshall
Es
war jedoch der Enkel Mohammed Alis, Abbas Pasha, der das eigentliche
Fundament für die Zukunft legte. Er war ein Reinblutfanatiker! Sein
Gestüt in Heliopolis bei Kairo beherbergte Pferde seines Großvaters
und seines Onkels. Ein großer Teil wurde auch von ihm selbst bei den
Beduinen erworben. Er war ebenfalls der Leiter aller Gestüte der Familie
des Vizekönigs, weil er nicht nur eine große Liebe zu den Pferden
hatte, sondern auch großes Wissen über Pferdezucht und -haltung. Wegen
seines Interesses für die Abstammungen aller erworbener Pferde beauftragte
er Personen seines Vertrauens (alle namentlich bekannt) mit der Aufgabe,
alle Informationen über seine Araber im Ursprungsgebiet bei den Beduinen
zu sammeln. Die Ergebnisse dieser Nachforschungen wurden von Ali Gamal
al Din el Shamashirgi Bey (genannt "Al Lallah") im "Abbas Pasha Manuskript"
für alle Zeiten festgehalten. Gülsün Sherif hat dieses Manuskript
ins Englische übersetzt und es mit Hilfe der bekannten amerikanischen
Züchterin Judith Forbis veröffentlicht. Das umfangreiche Werk gibt
den Züchtern ägyptischer Vollblutaraber ein vertieftes Hintergrundwissen
über die Beduinen, ihre Pferde und insbesondere über die Abbas Pasha-Pferde.
Die Erhaltung dieser einmaligen Erbmasse, dieses wertvollen Genpools,
bis in unsere Zeit verdanken wir der Weiterzüchtung auf der reinen
Beduinenbasis. Die Züchter waren vor allem die königliche Familie,
u.a. Ali Pasha Sherif, Khedive Abbas Hilmi, Prinz Ahmed Kemal, Prinz
Mohammed Ali und Prinz Kemal el Din. Die Pferde wurden zu einem großen
Teil im königlichen Inshass-Gestüt zusammengefaßt. 1908 wurde die
"Royal Agricultural Society" (RAS) gegründet, die u.a. die Registrierung
überwachte. Sie ist später in die "Egyptian Agricultural Organization"
(EAO) umbenannt worden und unterhält das auch heute noch bestehende
Staatsgestüt El Zahraa ("Die Blume") in Heliopolis/Kairo mit ca. 300
Pferden.

Photo:
Boiselle
Mourad, El Zahraas früherer Hauptbeschäler vor prachtvoller Kulisse
Auch
Lady Anne Blunt, die in Ägypten und England je ein Gestüt unterhielt,
darf nicht vergessen werden. Sie hat der weltweiten Vollblutaraberzucht
wesentliche Impulse gegeben.
Von der EAO sind im Gestüt El Zahraa durch gezielte Paarungen und
hervorragende Selektion, besonders in der Zeit der Gestütsleitung
durch den großen Pferdekenner Tibor von Pettkó-Szandtner, hervorragende
Vollblutaraber gezüchtet worden. Dies führte dazu, daß alle Kenner
einhellig der Meinung waren nur in Ägypten die besten und typvollsten
arabischen Pferde der Welt zu finden. Das königliche Gestüt von Württemberg
(Weil/Marbach) importierte 1852 und 1860/61 ägyptische Araber aus
dem Gestüt von Abbas Pasha, dann, im Jahre 1930, wieder von Prinz
Mohammed Ali.

Photo:
Dömken
Ghazal
(Nazeer x Bukra)
Im
Jahr 1955 wurden weitere Spitzentiere in El Zahraa gekauft: Hadban
Enzahi (Nazeer x Kamla) und seine Halbschwester Nadja (Nazeer x Nefisa).
Der Fürst zu Inn- und Knyphausen erwarb zur gleichen Zeit Ghazal (Nazeer
x Bukra) und Moheba (Sid Abouhom x Halima). Sie alle haben Zuchtgeschichte
gemacht und bildeten die Grundlage der rein ägyptischen Zucht in Deutschland.
Der Amerikaner Henry Babson war einer der weitsichtigsten Züchter,
der schon 1932 Ägypter aus dem Gestüt des Prinzen Mohammed Ali kaufte
und rein weiterzüchtete. Judith Forbis kam mit ihrem Mann Donald 1959
auf Empfehlung von Carl Raswan nach Ägypten, nachdem sie in der arabischen
Wüste vergeblich nach dem klassischen Araberpferd gesucht hatten.
Im Gestüt der EAO fanden sie die lange gesuchten, edlen Araber für
ihr Gestüt. Sie erhielten den Hengst Ibn Halima als Geschenk (auch
er von dem "Jahrhunderthengst" Nazeer aus der Halima) und kauften
mehrere Spitzenstuten.

Photo:
Knoll
Morafic (Nazeer x Mabrouka) unter Tom McNair
Danach begann, sicherlich dank der zahlreichen Zeitungsartikel in
den USA von Judith Forbis zum Thema "ägyptische Araber", eine regelrechte
Jagd auf die typvollen Ägypter. Angeführt von dem Dollarmulti Douglas
B. Marshall, der u.a. durch Abgabe eines hervorragenden Angebotes
die Russen ausstechen konnte und den unvergessenen Morafic (Nazeer
x Mabrouka) nach Amerika holte. Die meisten Ägypter wurden in jener
Zeit in die USA verkauft. An zweiter Stelle der Importländer folgte
Deutschland. Hier war Dr. Hans Joachim Nagel in den späten sechziger,
frühen siebziger Jahren einer der ersten Privatzüchter, der mit besonders
typvollen Pferden aus El Zahraa Aufbauarbeit leistete. Durch die starke
Zunahme der reinen Ägypter war es naheliegend eine Vereinigung zu
bilden, die die reine Weiterzucht förderte. Schon 1969 schlossen sich
nordamerikanische Züchter zusammen und gründeten die "Pyramid Society".
Douglas B. Marshall wurde ihr erster Präsident und förderte die Arbeit
der Pyramid Society vor allem finanziell. Weitere Mitglieder des ersten
Vorstandes waren James Kline (Vize-Präsident), Judith Forbis (Schriftführerin),
und Willis H. Flick (Schatzmeister).
Im Jahr 1976 veröffentlichte diese Organisation den zweiten Band (der
erste steht nicht mehr zur Verfügung) des "Reference Handbook of Straight
Egyptian Horses", in dem ca. 500 Pferde erfaßt wurden. In Deutschland
wurde das erste Asil Araber-Buch 1977 mit ca. 60 Vollblutarabern rein
ägyptischer Blutlinien veröffentlicht. Es wurde vom Asil Club herausgegeben.
In dieser Organisation werden neben Pferden rein äygptischer Blutführung
auch Vollblutaraber aufgenommen, die direkt von den Beduinen in der
arabischen Wüste gekauft wurden. Beide - die Ägypter und die Beduinenpferde
- werden als "asile" (reine) Vollblutaraber bezeichnet. 1987 wurde
schließlich die "Pyramid Society Europe" gegründet. Der eingetragene
Verein brachte im Jahr 1990 ein eigenes Buch heraus, den Almanach
I, ein Verzeichnis der Mitglieder und ihren ca. 450 rein ägyptischen
Pferden. Der rein ägyptische Vollblutaraber ist mittlerweile zu einem
Begriff geworden. Die Pyramid Society Europe will den Züchtern dieser
Pferde Hilfestellung geben. Vor Jahren wurde zum Beispiel die Hypothese
aufgestellt, daß die rein ägyptischen Pferde ohne Blutauffrischung
durch Einkreuzung von Wüstenarabern nicht erhalten werden können und
degenerieren. Dies ist durch die Entwicklung völlig ad absurdum geführt
worden. Mit weltweitem Austausch von Zuchttieren und einer Stutenbasis
von etwa eintausend Tieren ist eine Degeneration oder Inzuchtdepression
auch in Zukunft nicht zu erwarten. Natürlich muß man auch bei den
Ägyptern selektieren. Hier liegt nur ein Ansatzpunkt für die Pyramid
Society Europe. Nur die besten, typvollsten und gesündesten Pferde
sind auch zur Zucht geeignet. Durch Mitgliedschaft und Mitarbeit bei
der Pyramid Society Europe sollten alle Besitzer ägyptischer Vollblutaraber
dazu ihren Beitrag leisten. Nur gemeinsam können wir für dieses wertvolle
Kulturgut wirksam fördernd tätig sein. Wir sind es unseren Vorbildern
wie Abbas Pasha, von Pettkó-Szandtner und Judith Forbis schuldig.
Siegried Paufler